European Podcast Award

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich ein Interview für das Team des European Podcast Award (EPA) geben möchte. Der KaffeePod hatte diesen Preis gewonnen und nun sollten die Gewinner zu ihren Erfahrungen befragt werden. Als Stellvertreterin für das gesamte KaffeePod-Team habe ich mich (via Skype) mit Karen Høgh, die dänische Botschafterin für den EPA, über das Projekt unterhalten. Wer Lust hat, kann ja mal in die 2. Folge „The Votes and the Jury“ reinhören:

Der Podcast ist ziemlich lang (im Vergleich zum KaffeePod 😉 ), wer nur an den Inhalten zum KaffeePod interessiert ist, kann ab ca. der 10. Minute einsteigen. Das Ganze war ziemlich spontan und hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, welche Fragen mir gestellt werden würden … na ja, aber hört selbst.

 

Finally: EU-Bericht

Zwei Jahre lang hat mich das EU-Projekt InnoMathEd begleitet. Es war mir wichtig, vor einem beruflichen Wechsel alle Aktivitäten gut abzuschließen. Wie das so als Projektmanager ist, liegt viel implizites Wissen bei einer oder wenigen Personen. Es ist auch gar nicht Sinn und Zweck, alle Projektteilnehmer mit dem selben Grad an Detailiertheit zu involvieren, aber es ist schon gut, ein (im Optimalfall: gutes) Wissensmanagement zu haben, um Zugriff auf alle Informationen zu gewährleisten.

Der Abschlussbericht war der letzte Meilenstein im Rahmen des EU-Projekts und wurde von mir im Dezember und Januar angefertigt, um dann nach Brüssel geschickt zu werden. Letzte Woche kam nun endlich das Gutachten der EU. Das Projekt und alle Outcomes wurden mit 9 von 10 Punkten bewertet. Das ist wirklich ein tolles Ergebnis und ich hab mich ehrlich total gefreut. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn man für Arbeit auch gutes Feedback erhält. Konkret heißt das, dass die Partner des Projekts die restliche Geldzahlung erhalten und die Konten nun ausgeglichen werden. 🙂 Bei EU-Projekten läuft es nämlich so ab, dass man nur einen Teil aus Vorauszahlung und dann bei erfolgreichem Abschluss erst den Rest erhält (obwohl man den virtuellen Rest schon ausgegeben haben muss, um die Restzahlung überhaupt beantragen zu können…alles kompliziert in der EU 😉 ).

Durch Zufall habe ich entdeckt, dass der Bericht zum Final Report (der öffentliche Teil) auch schon online ist. Hier kann er nachgelesen werden.

Wirtschaft vs. Wissenschaft

Seit zwei Monaten (unfassbar!) bin ich nun also in den „Klauen der Wirtschaft“ (ich glaube so oder ähnlich hat es Gabi mit einem Augenzwinkern mal ausgedrückt, ich will sie aber nicht falsch zitieren, deshalb liegt die Betonung auf  „ich glaube“) und ich muss sagen: Mir gefällt es sehr gut!

Es ist schon etwas anderes, wenn man für die tägliche Arbeit relativ zeitnah und unmittelbar Feedback vom Kunden oder vom Team erhält.  In der Wissenschaft arbeitet man oft Wochen, Monate oder Jahre auf ein Ergebnis hin, von dem man oft auch zudem gar nicht weiß, wie das im Detail aussieht. Ergebnisorientierung liegt beiden Disziplinen zugrunde, aber der zeitliche Fokus ist m.E. doch stark unterschiedlich. Was mir gut gefällt, sind die gefühlt kürzeren Entscheidungswege und -zyklen. Während man an der Uni zu großen Teilen auf das Schreiben von Anträgen angewiesen ist, wo man heute festlegt, welche Ressourcen man für ein potenzielles Projekt in X Monaten braucht, passiert es mir in meiner derzeitigen Arbeitsstelle oft, dass ich morgens etwas plane oder vorschlage und zwei Stunden später in die konkrete Umsetzung gehen kann. Einschränkend muss man natürlich sagen, dass es auch vom Unternehmen und den dortigen hierarchischen Strukturen abhängt, wie Entscheidungen getroffen werden. In anderen Firmen können Entscheidungsprozesse wahrscheinlich noch länger dauern, als die Antragstellung bei der DFG o.ä. Institutionen.

Auch der konkrete Ablauf eines Arbeitstages hat sich doch ganz schön geändert: An der Uni kann man gerne mal einen ganzen Tag denkend über einem Blatt Papier verbringen und sich seinen Gedanken zu Problemstellungen hingeben. Mein jetziger Arbeitstag ist dagegen geprägt von Meetings, Telkos, Kundenterminen und Projektsteuerung. Beide Formen des Arbeitens haben ihre Berechtigung. Jetzt werden sicher die Kollegen aus dem Wissenschaftsbereich einwerfen, dass sie genauso Skype-Konferenzen etc. abhalten. Kenne ich ja alles gut. Aber mit der Intensität und der Zielorientierung (Zeit ist Geld 😉 ) wie ich es jetzt kennengelernt habe, ist das allerdings nicht zu vergleichen.

Aber in meinem Herzen bin ich natürlich immer noch stark mit der Wissenschaft verbunden, auch wenn mir im Alltag (gerade jetzt in der „Neuorientierung“) ein bisschen die Zeit fehlt. Deshalb habe mich aber sehr gefreut, dass ich durchaus meine Kompetenzen aus meinem „Wissenschafts-Alterego“ im Berufsalltag anwenden kann (u.a. habe ich ein Usability Lab organisiert). So kann ich beide Leidenschaften verbinden und verliere nicht komplett den Anschluss zu Forschung und Lehre.

Mathematics Education with Technology – Experiences in Europe

Ich muss zugeben, heute bin ich ein bisschen aufgeregt, denn es ist endlich da: Das Buch zum EU-Projekt InnoMathEd kam heute frisch aus der Druckerpresse ins Office geliefert. Es ist schon toll, wenn man so viel Mühe und Zeit in eine Sache steckt und am Ende auch etwas schönes dabei herauskommt.

Bianco, T. & Ulm, V. (2010) (Ed.). Mathematics Education with Technology – Experiences in Europe. Augsburg: University of Augsburg.

Im Buch sind auf 272 Seiten diverse Artikel von Autoren aus ganz Europa, die ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von Computern im Mathematikunterricht weitergeben. Das Spektrum reicht dabei von Excel, über eigens geschriebene Programme bis hin zur Arbeit mit Interaktiven Whiteboards. Zusätzlich gibt es noch eine CD, auf der nicht nur das Buch als PDF-Version vorhanden ist, sondern unzählige Lernumgebungen (eingeteilt nach der eingesetzten Software), die Schülern, Lehrern, Studierenden und sonstigen Interessierten Good Practices für die Arbeit im Unterricht geben.

Update (01.12.10): Das Buch kann jetzt auch online abgerufen werden.

Campus Innovation in Hamburg

Am Donnerstag und Freitag habe ich in HH die Campus Innovation besucht. Ich hatte viel gutes über die Veranstaltung aus den Vorjahren gehört und mich richtig gefreut. Aber irgendwie…wollte der Innovationsgedanke nicht so recht auf das Publikum überspringen. Zuerst einmal das Positive: Die Tagung war wirklich sehr gut organisiert. Die Location, das Curio Haus in Hamburg, ist sehr schön und vom Ablauf und Programm kann man sich nicht beschweren. Inhaltlich sah die Sache leider etwas anders aus.

Die Key Note von Prof. Dr. Müller-Böling mit dem  Titel „10 Jahre entfesselte Hochschule – in der Virtualität angekommen?“ fing eigentlich sehr interessant an. Er sprach über die Umbrüche im Hochschulsystem, von denen er sagte, dass diese in den 1990er Jahren genauso dramatisch waren, wie die zu Zeiten Humboldts. Dabei waren die Unis und FHs aus seiner Sicht geprägt von „Erstarren, Festhalten und Einmauern“. Die Hochschulen seien sich aber mittlerweile bewusst, dass Wettbewerb notwendig ist, denn die „Fiktion der Gleichheit hat sich aufgelöst“. Ich bin nicht so sicher, ob das jede Uni in gleichem Maße internalisiert hat, aber ja, ich glaube auch, dass die Darstellung der Möglichkeiten für potenzielle Studierende mittlerweile ganz anders als noch vor 20 Jahren aussieht. Tja, gerne würde ich noch mehr von seinen Thesen schreiben, aber mitten im Vortrag kam es auf einmal zu einer kleinen Revolte im Saal. Auf einmal stürmten vielleicht 10 Studierende den Raum, bewaffnet mit Flugblättern („Unsere Forderungen“) und Megafon. (Letzteres habe ich aus 40cm Entfernung kennenlernen dürfen…aber das ist eine andere Geschichte.) Es war eine sehr skurrile Situation, wenn Studierende wie von der Tarantel gestochen im Kreis im Saal laufen und ihre Parolen durch den Saal gröhlen, sich aber keiner wirklich konstruktiven Diskussion stellen wollten. Im Grunde wollen sie eine Umgestaltung der BA/MA-Studiengänge, eine Abschaffung der Studiengebühren, Mitbestimmung statt Management und eine konsequente Nutzung von Open-Source Software auf dem Campus. Nachdem irgendwann die Uni-Leitung eingriff, wurden die Studierenden nach langer Diskussion aus dem Saal begleitet.

Am zweiten Tag war die Key Note von Peter Schaar, dem Bundesdatenschutzbeauftragten, angesetzt. Ich hatte ihn bereits auf der Republica vor einiger Zeit gehört und mich RICHTIG gefreut. Das Thema war „Forschungsklauseln des Bundesdatenschutzgesetzes und deren technisch-organisatorische Umsetzung in der Praxis“. Ja. Genauso spannend war es leider auch. Es wurde viel über Anonymisierung und Pseudonymisierung von Forschungsergebnissen gesprochen, aber ganz ehrlich, neu war das leider alles nicht. Ich habe dann per Twitter gleich Schelte bekommen, warum ich denn den Vortrag so angepriesen hätte. Sorry dafür.

Ein Teilnehmer hat es auf den Punkt gebracht: Ein bisschen weniger Campus, dafür ein bisschen mehr Innovation hätte der Veranstaltung gut getan. Nun gut, die Gespräche, die in den Pausen liefen, waren es allemal wert, dabei gewesen zu sein und der abschließende Vortrag von Rolf Schulmeister (der auch schon die ganzen zwei Tage angepriesen wurde) war wirklich ein schöner Abschluss und hat mich dann zumindest ein bisschen  besänftigt aus der Tagung entlassen.

And the winner is…

… KaffeePod! Gestern wurde der KaffeePod zum Abschluss des Betacampus-Projekts ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Projekttage der Universität statt, in denen das Begleitstudium vorgestellt wird.

Das Betacampus-Projekt wurde vor einiger Zeit ins Leben gerufen, nachdem die Uni Augsburg im Rahmen einer Ausschreibung 100.000 Euro vom Stifterverband erhalten hat. Dieses Geld sollte verwendet werden, um die Innovationskraft der Uni zu stärken. Umgesetzt wurde dieses Vorhaben im Rahmen eines Wettbewerbs, in dem Studierende und Mitarbeiter Ideen einreichen konnten.

Wir haben uns mit dem KaffeePod auch erfolgreich beworben – von 46 Einreichungen wurden 15 Projekte gefördert. Nachdem das Projekt nur mehr als ein Jahr lief, wurden wir gestern als das Projekt mit der größten Öffentlichkeitswirkung ausgezeichnet. Die beiden anderen Preisträger sind Uni-Navi (Kategorie Innovationskraft) und das Brauchwiki (Kategorie Anwendungsbreite).

Obwohl ich mich sehr über die Auszeichnung freue – vor allem, weil so auch das ganze Team öffentlich sein verdientes Lob bekommt, war ich streckenweise nicht ganz zufrieden mit der Umsetzung des Betacampus: Der Informationsfluss war leider teilweise nicht immer optimal und ich weiß von einigen anderen Projekten, die leider nicht auf so ein eingespieltes Team wie wir vom KaffeePod zurückgreifen konnten und als Einzelkämpfer mit der Umsetzung ihrer Ideen Probleme hatten. Falls es irgendwann eine Wiederholung eines solchen Wettbewerbs gibt, plädiere ich deshalb für ein gut ausgereiftes Projektmanagement, das sich vor allem durch Transparenz auszeichnet. Ich hoffe, dass alle Projekte und Ideen, die gestern nicht ausgezeichnet wurden, dennoch gut umgesetzt wurden oder werden, da die Ideen wirklich sehr clever waren und eine Förderung verdient haben.

Von Schafen und Schäfern

Dies ist eine Geschichte von Schafen und Schäfern. Eigentlich aber auch ein bisschen von Kaninchen. Versuchskaninchen. Könnte man jedenfalls so sagen, nachdem Gabi, angeregt durch Reinhard Bauer, auf die Idee kam, eine Schreibwerkstatt im Kolloquium durchzuführen. Das genaue Konzept kann hier nachgelesen werden. Laut Zeitplan war ich die Erste, die dieses Experiment mitmachen durfte. Ich habe mich dazu entschieden, diesen Blogbeitrag prozessbegleitend zu schreiben – im Moment (17.09.10) ist es also nur ein Entwurf, der dann nach der Durchführung der Schreibwerkstatt mit allen Erfahrungen veröffentlicht wird.

Aber jetzt mal zum Schaf-Thema: Die Teilnehmer des Kolloquiums (a.k.a. Schafe) waren aufgefordert, sich einen Schäfer zu suchen, der sich bereit erklärt, einen Text zu reviewen. Das Ganze passiert in zwei Schlaufen bevor dann alle Doktoranden den verbesserten Text zur Vorbereitung geschickt bekommen. In der Präsenzsitzung wird dann darüber diskutiert.

Phase 1: Schäfer – Schaf

Ich habe mir Freddy als Schäfer ausgesucht. Zum einen, weil er mein selbsternannter Diss-Tandempartner ist (was ein guter Deal für mich ist, weil er seine Promotion schon lange abgeschlossen hat 🙂 ) und zum anderen, weil ich von ihm sehr gut Kritik annehmen kann: Er kann verständlich erklären, wo er Verbesserungspotenzial sieht und als alter Hase weiß er auch, worauf zu achten ist. Mir scheint, für ihn war das eine genauso große Herausforderung, wie für mich. Nachdem ich ihn gebeten hatte, SUPER kritisch zu sein, hat er auch wirklich zu jedem Satz der zehn Seiten eine Anmerkung gemacht. Das war für ihn viel Arbeit und für mich dann auch, als ich die Anregungen integriert habe. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Bereits nach Runde 1 finde ich den Text viel besser und runder als vorher! Auch die empfohlene zweite Feedback-Runde läuft ziemlich problemlos. Ich bekomme noch gesagt, was denn alles gut sei am Text *freu* und noch ein paar kleine Anmerkungen, die ich auch als sinnvoll erachte und deshalb einbaue.

Phase 2 – Versenden und Lesen:

Es geht in Phase 2 des Experiments. Jetzt müssen alle Workshopteilnehmer meinen Beitrag lesen, auch ich bekomme die Beiträge der anderen zwei Schäfchen zum intensiven Lesen. Dadurch, dass ich weiß, wie viel Arbeit bereits im Artikel steckt, lese ich die Texte noch aufmerksamer als sonst und mache mir Notizen für den Workshop. Die zwei Texte, die ich reviewen muss, sind sehr unterschiedlich: beim einen geht es um ein Dissertationsvorhaben, beim anderen um ein fertiges Kapitel einer Promotionsarbeit.

Phase 3 – Präsenzsitzung:

Es folgte das Kolloquium, in dem die Texte besprochen wurden. Ich hatte die Ehre, als Erste anzutreten. Nachdem ich kurz in den Text eingeführt hatte und einige kleinere Fragen zum Kontext und Inhalt geklärt waren, musste ich die Runde verlassen und mich von den anderen abwenden. Das Ganze soll bezwecken, dass die nun folgende Diskussion sich nicht auf mich als Person konzentriert, sondern auf der Sachebene am Text orientiert ist. Ich hatte mir die Situation sehr seltsam vorgestellt, aber wider Erwarten war das echt ein gutes Erlebnis! Oft sagt man ja „da wäre ich gerne Mäuschen gewesen“: zu hören, wie die anderen meinen Text beurteilen, konstruktive Vorschläge machen und über einzelne Passagen diskutieren – spannend! Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt angegriffen oder „ungerecht“ behandelt gefühlt. Zwar musste ich wohl gelegentlich lachen oder den Kopf schütteln, weil ich da erst gemerkt habe, dass das, was ich im Text ausdrücken will, noch nicht präzise genug argumentiere – aber auf persönlicher Ebene war das ziemlich relaxed. Irgendwann durfte ich den Kreis dann wieder betreten und noch letzte Fragen klären. Ganz offiziell wird dann nochmal gedankt, dass man den Text mit den anderen geteilt hat. Aber auch ich will mich bedanken, weil ich gemerkt habe, dass die anderen Teilnehmer sich wirklich intensiv mit dem Text auseinandergesetzt haben und Sachen aufgekommen sind, die ich einfach gar nicht mehr gesehen habe. Die Sitzung war fordernd aber mir hat das wirklich was gebracht. Ich kann deshalb Leuten, die (wissenschaftlich) schreiben, nur dazu raten, so etwas auch mal zu organisieren und durchzuführen. Wenn man sich darauf einlässt, hat man einen großen Nutzen davon. Gabi hat auch schon gebloggt – hier gibt es den Beitrag zum Nachlesen.

Für mich geht es jetzt noch darum, die Anmerkungen noch zu überdenken und dann in den Text einzubauen. Ein Teilnehmer hat mich nach dem Kolloquium gefragt, „ob ich denn jetzt noch was ändern werde“. Ja klar! Die Ideen waren teilweise wirklich sinnvoll und total nachvollziehbar. Es wäre ja Irrsinn, das zu ignorieren…