Gedanken zum Dienstag

In WordPress gibt es ja die Möglichkeit zu sehen, wie die Leute auf meinen Weblog gestoßen sind. Es ist ehrlich spannend zu lesen, nach was alles gesucht wird! So frage ich mich gerade, ob ich mir ernsthaft Gedanken machen muss, wenn Leute nach „Selbstmord CO2 Garage“ suchen und mein Blog finden. Hm… Einmal mehr gilt: Erst denken, dann schreiben.

Außerdem bin ich ziemlich frustriert über das Wetter. In froher Erwartung auf den Frühling hab ich mein Fensterbrett gleich mal mit einer Narzisse ausgestattet. Die gedeiht – der Heizung sei Dank – hervorragend. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass auch die übrigen Blümchen bald im Sonnenlicht strahlen können.

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Du kommst mir gerade recht!

Jeder Mensch, der einem begegnet, hilft einem auf die eine oder andere Weise weiter. Ganz ehrlich, davon bin ich total überzeugt! Diesmal meine ich das ganz im übertragenen Sinne. Die Begegnungen mit den verschiedensten Leuten hat immer einen Einfluss auf das persönliche Weiterkommen oder die Art, wie man über gewisse Sachen denkt oder spricht. Manche sagen dazu „Sozialisation“, aber ich glaube, dass das noch etwas grundlegender ist. Eltern, Geschwister, Freunde – klar, mit diesen Personen verbringen wir von Geburt an viel Zeit – die müssen ja irgendwie auf uns „abfärben“ (und wir auf sie). Auch zufällige Begegnungen und Menschen, die man nicht intensiv kennen lernen kann, beeinflussen die eigene Sicht der Dinge. Derzeit bemühe ich mich, meine Umwelt etwas bewusster wahrzunehmen und noch mehr auf das Tun der Anderen und meine Reaktion auf das Verhalten zu achten. Ein banales Beispiel: Warum führe ich diesen Blog? Weil ich es von meinen Kollegen gesehen habe. Fand ich interessant, wollte ich auch ausprobieren. Ich weiß, dass es anderen genauso ging: Durch meinen (und natürlich auch andere) Blog(s) wurden sie quasi zum eigenen Online-Journal inspiriert. Es gibt eine Freundin, die hat neulich zu mir gesagt: „Wenn ich weiß, dass du in meine Wohnung kommst, dann scan ich innerlich immer meine Räume ab, um zu sehen, ob ich auch ordentlich aufgeräumt hab.“ Total seltsam aus meiner Sicht – aber anscheinend hat sie den Eindruck, bei mir wäre es immer aufgeräumt und deshalb würde ich das von ihr auch erwarten. (Ganz ehrlich: Ist mir total egal, wie es bei anderen aussieht.) Aber mir geht es in anderen Situationen auch so. Durch Verhalten anderer wird meine Neugierde geweckt und ich beschäftige mich mit Themen, die mich von alleine wahrscheinlich eher nicht interessiert hätten. Das empfinde ich nicht als „Nachahmung“, sondern für mich ist das praktische Lebenshilfe: Wir alle spornen uns durch unser Verhalten gegenseitig an – natürlich nur, wenn man in der Lage ist, die Eindrücke des Tages in positive Bahnen zu lenken. Um dem Ganzen eine nachvollziehbare Aussage zu geben: Wenn ich im Leben weiterkommen will, dann hab ich nur eine Möglichkeit: Nicht neidisch oder mit Argwohn auf andere Menschen blicken, sondern die positiven (und auch negativen) Aspekte des Gesehenen reflektieren und auf passende Weise in das eigene Leben integrieren.

Kopfsalat

Für die Leute, die mit mir studieren, ist das schon ein alter Hut, aber aus aktuellem Anlass will ich an dieser Stelle mal auf das CMap-Tool der IHMC hinweisen. Concept Maps, oder eben „CMaps“ sind ähnlich wie Mind Maps, grafische Wegweiser durch den Gedankendschungel. Begriffe werden miteinander in Verbindung gesetzt und man kann leichter Zusammenhänge zwischen Konzepten, Begriffen und Thesen erkennen. Für die Überlegungen zu meiner Masterarbeit habe ich mich seit längerem wieder einmal dieses Werkzeugs bedient und es hat mir geholfen, meine wirren Gedankengänge zumindest ein bisschen zu sortieren. Die Erstellung von Cmaps kann über Präsentationssoftware wie PowerPoint gemacht werden – einfacher geht es jedoch mit dem downloadbaren Cmap-Tools der IHMC. Es ist zwar eine Registrierung erforderlich, aber für den nicht-kommerziellen Gebrauch ist die Nutzung entgeltfrei.

Anständig auf den Putz hauen!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wie so die meisten Leute auch, gehe ich die Tage in mich und frage mich, was dieses Jahr 2007 so gebracht hat. Viel gutes, ein paar eher unerfreuliche Sachen – aber eigentlich eine ausgewogene Mischung, die definitiv zum Guten tendiert. Das ist doch schon mehr, als viele von sich behaupten können. Es gibt allerdings noch eine Frage, die mir kurz vor dem Jahreswechsel noch auf der Seele brennt: Was macht eigentlich Anstand aus? Und hab ich mich in diesem Jahr auch anständig benommen? (Wenn die Anzahl meiner Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ein Maßstab sein sollte, muss ich ja quasi ein Engel gewesen sein 😉 )Hat Anstand was mit Erziehung zu tun oder ist es eine menschliche Qualität, die dem ein oder anderem Zeitgenossen heute abhanden gekommen ist? Meiner Meinung nach gibt es einen Unterschied zwischen guten Manieren (wie halte ich mein Besteck korrekt etc.) und anständigem Verhalten. Letzteres ist sehr tiefgründig und nicht auf den ersten (zweiten oder dritten) Blick zu erkennen. Viele freuen sich sicher schon auf Silvester, weil sie da „anständig einen heben gehen können“. Das Adjektiv „anständig“ soll demnach ausdrücken, etwas „gescheit“ oder richtig zu machen. Somit muss auch das Substantiv „Anstand“ irgendwas mit korrektem Verhalten zu tun haben. In diesem Lexikoneintrag, wird davon ausgegangen, dass Anstand eine Rarität geworden ist. Glaub ich nicht. Kann denn wirklich gesagt werden, dass die Leute früher weniger egoistisch gehandelt haben? Das Gefühle anderer anno dazumal mehr ins Kalkül einbezogen wurden? Klingt für mich eher unwahrscheinlich. Die meisten Menschen, die ich so kenne, legen jedenfalls anständige Verhaltensweisen an den Tag. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und das ist jetzt auch mein Wunsch fürs nächste Jahr: Weiterhin viele nette Leute um mich, die wissen, auf was es im Leben ankommt und sich dementsprechend verhalten. Das kann ich zumindest anstandslos unterschreiben. 🙂

Achtung: Vorurteil!

Dieses Semester belege ich an der VHB einen Kurs über die Medienwelten von Kindern und Jugendlichen. Das letzte Modul drehte sich dabei um Stereotypen und Vorurteile. Heute morgen bin ich mit der dort besprochenen Problematik mal wieder live und in Farbe konfrontiert worden. Beim eigentlich netten Smalltalk mit einer schätzungsweise Mittsechzigerin ging es zuerst um die Kälte, worauf wir zum Autofahren und dem mangelnden Willen Mancher sich Winterreifen zu besorgen kamen. Bis dahin – alles ganz harmlos. Dann kam die Dame zum Fahren im Kreisverkehr und dass es ja unglaublich sei, wie viele Leute die dort herrschenden Regeln nicht checken würden: „Besonders die Türken-Weiber“. Here we go… Meine Antwort: „Ja mei, was soll ich jetzt dazu sagen, ich bin selbst eine halbe Türkin“. Entsetztes Schweigen. Dann: „Ja, das macht ja nix. Meine Kinder sind auch mit Türken verheiratet“. Ja, klar…hmmm…macht dann natürlich Sinn… Sie plapperte dann munter über die pööösen Türken weiter (obwohl sie schon etwas irritiert schien). „Sowas kann doch nicht an der Nationalität festgemacht werden“, war mein Einwand dazu. Ich habe sie dann reden lassen, was soll ich denn dazu sagen? Wenn ihre eigenen Kinder es bisher wohl nicht geschafft haben sie von solchen Sprüchen abzubringen?

Die Grenze zwischen Vorurteil und Stereotyp ist fließend. Lippmann (1922:81) sagt, dass die Bildung von Stereotypen eine Strategie von Individuen ist, Komplexität in der wahrgenommenen Umwelt zu reduzieren und in einfachere Muster und Denkschemata einzuordnen.

„For the most part we do not first see and than define, we define first, and then see. In the great blooming, buzzing confusion of the outer world we pick out what our culture has already defined for us, and we tend to perceive that which we have picked out in the form stereotyped for us by culture.” (ebd.)

Ist der Horizont mancher Leute tatsächlich so beschränkt, dass sie nicht merken, was sie da eigentlich reden? Und vor allem: Wie soll ich auf so was reagieren? Reden lassen, oder in Verteidigungsposition gehen und kämpfen? Ich bin mir wirklich unschlüssig – grundsätzlich meine ich schon, dass man für seine Ideale und Werte einstehen muss – aber lohnt sich das auf so einer Ebene überhaupt?

Was ich mir an der Uni wünschen würde ist eine „Einführung in den Umgang mit Vorurteilen“. Klar, so wie in dem VHB-Kurs wird das theoretische Hintergrundwissen vermittelt, aber wie sieht es mit der Anwendungspraxis aus? Dadurch, dass mein Äußeres nicht sofort auf meine Herkunft schließen lässt und ich der deutschen Sprache mächtig bin, bekomme ich des Öfteren mit, wie Leute über Minderheiten ablästern. Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich kann zumindest die Leute sofort konfrontieren – das Privileg hat die Mehrheit der Minderheit nicht. Aber die Kernfrage ist: Bringt es was?

Alle Jahre wieder

“Last Christmas I gave you my heart…” Jep. Ich weiß. Es ist November und es ist noch lange nicht Weihnachten und eigentlich sollte es gesetzlich verboten sein, diese Liederzeile auch nur einen Tag vor dem 24. Dezember zu spielen. Aber: Wir sind hier nicht bei wünsch dir was. Gestern hat es mich kalt erwischt: Beim ohnehin sinnlosen TV-Gucken – der Schock: 1. Horrorszenario: Klingeltonwerbung (das allein ist schon ein Grund zum Auswandern in fernsehfreie Gefilde) 2. Horrorszenario: Der Klingelton entpuppt sich als das milliardenfach durchgekaute und doch immer wiederkehrende Lied von Wham! Rumms. Das hat gesessen. Auf einmal spielen sich wilde Szenen im Kopf des Betrachters ab: Es ist schon wieder soweit! Weihnachten steht quasi vor der Tür und man ist noch völlig unvorbereitet. Die bisherigen Vorzeichen (Lebkuchen im August, Nikoläuse gleich nach Ostern) konnten erfolgreich ignoriert werden, aber an Wham kommt keiner vorbei. NIEMALS. Das Lied ist wie ein Fluch der Karibik, nur ohne Palmen und mit viel Schnee und Eierpunsch. Wobei das mit dem Schnee ist glaub ich auch so eine düstere Legende, oder wann hatten wir das letzte Mal weiße Weihnachten? Auch egal… Ein Blick auf den Kalender macht jedenfalls klar, dass es Zeit ist, Vorbereitungen zu treffen. Die „das-wär-doch-ein-Geschenk-für-Weihnachten“-Listen müssen hervorgekramt und das Geschenkpapier gehortet werden, bevor man kurz vor knapp vor leeren Regalen steht. Hier setzt dann die vielzitierte K-R-E-A-T-I-V-I-T-Ä-T ein. Besonders geschmackvolle und den Empfänger erfreuende Geschenke müssen gefunden werden. Auweia… Kein Wunder, dass George Michael sein Herz verschenkt hat, einzigartiger geht es schließlich gar nicht. Und soooo schlecht ist das Lied ja eigentlich gar nicht – zumindest an Weihnachten.

Verpasst…

Gerade streikt in Deutschland die Bahn. Seit längerem… Also eigentlich schon ewig. Notfahrpläne gibt es da und Streikposten mit Trillerpfeifen und Protestschildern. Da kann es einem schon passieren, dass man den letzten Notfallausfallsupersondereinsatz-Zug nicht mehr bekommt und dann da steht: Bahn ist weg. Zug ist abgefahren. In solchen Momenten kann man gar nicht anders, als über das Leben zu philosophieren (schließlich hat man ja jetzt Zeit, so schnell kommt da nämlich kein neuer Zug). Deshalb lautet die Frage des Tages: Gibt es Parallelen zwischen dem Schienennetz und dem Leben?

Manchmal drängt sich der Verdacht schon ganz arg auf: Bei einem gemütlichen Mittagessen mit den Kollegen beim Chinesen um die Ecke überkommt einen auf einmal so ein leichtes Gefühl nach „was neuem“. Eigentlich nimmt man immer die gebratenen Nudeln mit Gemüse, weil die ja sooooooooo lecker schmecken. Heute ist das anders: Irgendwie gelüstet es nach dem besonderen Kick. Auf der Karte gibt es das geheimnisvolle „Überraschungsmenü“. Preislich kann das mit den anderen Gerichten mithalten und ein Kollege diktiert der freundlichen Kellnerin auch schon ebendiesen Menüpunkt auf den Notizzettel. Man selbst kann aber irgendwie nicht – was, wenn das mir nicht schmeckt – was, wenn das seltsam aussieht etc. pp. Ehe man sich versieht kräht man auch schon „einmal die gebratenen Nudeln mit Gemüse bitte“ und die freundliche Kellnerin nickt und zieht von dannen. Dann geschieht das Unvermeidliche: Das Essen des Mitarbeiters entpuppt sich als Glanzstück – genau das, was man schon immer haben wollte. Tja, während man vor dem Teller mit Nudeln sitzt und versucht sich diese mit süßsaurer Soße schönzureden, bleibt einem nichts weiters übrig als enttäuscht zu sein. Hätte man bloß…

Hätte, würde, könnte…Jeder Blödsinn sollte wirklich nicht mitgemacht werden, aber offen für neues zu sein und was auszuprobieren, was man noch nie gemacht hat, kann echt ziemlich cool sein. Klar, beim Chinesen kann man demnächst mal wieder vorbeischauen – aber nicht immer ist das so.

Zum Schluss noch eine These zum Überlegen und Abgleich mit persönlichen Erfahrungen:

Es ist definitiv schlimmer, sich ewig über eine verpasste Chance zu ärgern, als einmal etwas auszuprobieren und damit zu scheitern.