Schreib mal wieder?!

Mit der schriftlichen Kommunikation ist das so eine Sache. Ich muss immer wieder feststellen, dass es wirklich oft zu Missverständnissen kommt, wenn man versucht, sich in geschriebener Sprache auszudrücken. Eigentlich hat man ja länger Zeit, um sich genau zu überlegen, was man wie formulieren möchte und was die Intention dahinter ist. Vielleicht ist das aber gerade auch das Problem. Ich versuche mal meine Impressionen aus einigen Jahren schriftlicher Kommunikation darzulegen:

SMS:

Im Grunde sind SMS unbefriedigend. Eigentlich habe ich IMMER mehr zu sagen, als ich jemals in 160 Zeichen verpacken könnte.  Also muss man mehrere von ihnen schreiben. SMS-Ping Pong sozusagen. Und mit Leuten, die das gut „können“, kann das sogar viel Spaß machen. Oft bekommt man aber auch SMS, die nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, weil sie vom Verfasser regide zusammengekürzt wurden – klar, jedes Zeichen 160+ provoziert eine weitere SMS, somit wird versucht, das Einsparpotenzial des Ursprungstexts durch nachträgliche Korrekturen auszuschöpfen. Manchmal ist man am Ende gar nicht mehr sicher, ob das was da steht, das ist, was gemeint ist. Aber gut – letztlich muss man dann eben im Dunkeln tappen oder man ruft dann doch irgendwann mit den Worten „man, 20 SMS, das hätten wir auch mit 2 Minuten Gespräch klären können“ sein Gegenüber an.

Instant Messaging:

Diese, nicht mehr ganz neue Form der Kommunikation, ist ja mittlerweile allgegenwärtig. Kaum ein Social Network, das ohne diese Funktion auskommt. Dazu gibt es diverse Anbieter (Skype, ICQ, etc…), die sich auf dieses Angebot (teilweise in Kombination mit VoIP) spezialsiert haben. Toller Vorteil: Man kann seine Stimmungslage durch Emoticons noch einmal verdeutlichen. Für alle, die sich oft fragen, wie der Inhalt der Nachricht gemeint ist, zeigen kleine gelbe Smileys, wie die Botschaft zu verstehen ist. Eigentlich ganz praktisch. Kann aber auch in die Hose gehen. Letztens wollte ich ganz clever sein und diese Smileys auch fürs Handy benutzen. Auf dem iPhone ist das z.B. über die Einstellung einer japanischen Tastatur zu lösen. Prima. Dachte ich. Bis ich feststellte, dass ich seitdem alle Nachrichten von der Person, die meinen Smiley sehen sollte, auf japanisch bekam. Kommunikation gescheitert.

E-Mail:

Der Klassiker unter den neuen Formen des Austausches hat es faustdick hinter den Ohren. Bei E-Mails verlieren manche Leute alle Hemmungen! Unzählige E-Mails, die wider jeglichen orthographischen Regeln handeln und deren Hauptinhalt aus 2-seitigen Signaturen besteht: schlimm. Auch E-Mailing will gelernt sein: Nicht nur, dass es dazugehört, in einer angemessenen Zeit zu antworten, nein, auch ein gewisser Respekt im Umgang ist hier – im Vergleich zum Brief – oft Mangelware. Eventuell geht das einfach alles zu schnell und einfach. Die Hürde, eine E-Mail zu verfassen, ist denkbar klein und es gibt kaum jemanden, der keine E-Mail-Adresse hat. Ich freu mich immer sehr, wenn ich schöne E-Mails bekomme. Nachrichten, in denen ich nett angesprochen werde und wo man noch ein „Danke“ bekommt, wenn man z.B. etwas erledigt hat. Auch nicht mehr besonders gängig ist es, das „Du“ in der E-Mail groß zu schreiben. Obwohl das wirklich sehr schön ist! Was ich bei E-Mail eigentlich am Schlimmsten finde, ist, wenn man auf Antwort wartet und die nicht kommt. Manche Personen haben die große Kunst des „Nicht-Antwortens“ perfektioniert. Problematische Anfragen oder zu lösende Probleme werden dann einfach wegignoriert. Vogel-Strauß-Taktik.

Im Grunde ist es faszinierend, dass anscheinend die Fähigkeit zur korrekten schriftlichen Ausdrucksweise abnimmt, obwohl man immer mehr schriftlich kommunizieren muss. Vielleicht kann man das mit dem Grenznutzen aus der VWL vergleichen. Bei übermäßiger schriftlicher Kommunikation tritt Sättigung ein und der Nutzen kann nicht mehr gesteigert werden. Dann hilft vielleicht doch in manchen Fällen der Umstieg auf nicht-schriftliche Kommunikationsformen. Vielleicht ist Ausdruckstanz eine Möglichkeit? 😉

4 Kommentare zu “Schreib mal wieder?!

  1. Sandra sagt:

    Liebe Tamara,

    Du hast in ganz vielen Punkten recht!
    Lass uns Ausdruckstanzen gehen – wann/wo? 😉

    Liebe Grüße,

    Sandra

  2. Frank Vohle sagt:

    Hallo Tamara, schöne Beobachtung!

    Die Überlegung mit dem Grenznutzen ist interessantt. Wenn ich mich mit dir treffen will, dann schreibe ich: Morgen um 8 an der Uni. Alles was daraüber hinaus kommuniziert wird, wäre für diesen Zweck!!! „immer weniger wert“ (Motiv, Stimmung, Erwartung etc.) Für ein Gedicht gilt das interessaner Weise nicht, hier sind die Details oder gar Redundanzen wertvoll. Alltagskommunikation ist halt nicht Kunst. Was ist aber dann Wissenschaft?

    Lustig ist dein Vorschlag zum Ausdruckstanz. Dabei erinnere ich mich an das Sportstudium, da mussten wir zu Viert ein Thema mittels Ausdruckstanz umsetzen. Wir waren zunächst sprachlos, weil wir nicht wussten, wie wir unseren Körper als Sprachrohr bewegen sollten, wie denn überhaupt Botschaften in einer analogen Form zu übesetzen sind. Als wir den Tanz vorstellten haben alle herzlich gelacht, wir sahen wohl in unseren Baströckchen sehr lustig aus. Zur (schnellen) Kommunikation taucht es jedenfalls nicht :-).

    Liebe Grüße, Frank

    • taragramm sagt:

      Hallo Frank,

      die Vorstellung, dass Du mit drei anderen Personen im Baströckchen tanzt, ist zugegebenermaßen lustig. 🙂 Aber eigentlich finde ich Kommunikation via Tanz gar nicht so abwegig! Ist Tanzen nicht eine sehr intensive Art und Weise, um sich auszudrücken? Jetzt mal abgesehen vom Ausdruckstanz, aber denken wir mal ans Ballett: Wie viele Leute bewegt eine solche Aufführung dermaßen, dass sie zu Tränen gerührt werden? Und auch im Club oder beim „Tanztee“ 🙂 – die Nähe, die zwei Personen beim Tanzen herstellen oder vermeiden können sagt wohl viel über deren Beziehung aus. Kommunikation pur!! Die Botschaft, die dahintersteckt, ist aber wohl noch mehr als bei schriftlichen Formen der Kommunikation eine Sache der Interpretation und somit um einiges schwieriger zu dechiffrieren.

      Und zum Grenznutzen in der Wissenschaft: Hier wird meines Erachtens die gewohnte Herangehensweise der Alltagskommunikation ad absurdum geführt. Würde mir jemand im „normalen Leben“ eine Geschichte 20 Mal erzählen und sie dabei von jedem Blickwinkel betrachtet noch einmal erzählen, um aufzuzeigen, dass seine Thesen oder seine Geschichten stichhaltig sind und er sie durch viele Quellen belegen kann – ich würde nach einer Viertelstunde ermüdet abwinken (wenn ich so überlege…da wär ich schon ganz schön geduldig.. ) und mir wohl in Zukunft einen anderen Gesprächspartner suchen. In der Wissenschaft ist das aber anders: Rein theoretisch kann ich durch einen Satz wahrscheinlich die selbe Botschaft übermitteln, als wenn ich in einigen Seiten darüber philosophiere. Die Frage ist (und wir sind immer noch im wissenschaftlichen Kontext): glaubt man mir dann? Wissenschaft ist irgendwie eine andere Welt. Kein Wunder, dass man manchmal miteinander spricht, als wären wir von einem anderen Planeten.

      Liebe Grüße,

      Tamara

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