Public Viewing – ein Selbstversuch

Seit der WM 2006 gehört es ja schon fast zum guten Ton: Public Viewing. Gemeinschaftlich auf öffentlichen Plätzen fahnenschwingend ein Fußballspiel genießen – für viele ist das so was wie das Sahnehäubchen auf dem EM-Eisbecher. Da man ja für alles offen sein soll und ich mich gerne von einem Schwall Begeisterung mitreißen lasse, habe ich gestern das Projekt „Public Viewing“ gelauncht.

Bei der WM wurde in Augsburg noch im Messezentrum gefeiert – für mich wenig attraktiv: Kaum schöne Kulisse, ab vom Schuss, und in meiner Vorstellung steppt der Bär eben nicht an der Augsburger Messe. Dieses Jahr hat die City Initiative Augsburg das Spektakel auf dem Rathausplatz ausgerichtet. Meine Gegenargumente waren somit ziemlich haltlos, denn a) ist die Szenerie mit dem wunderschönen Rathaus hinter der Leinwand beeindruckend b) ist man mitten im Leben und c) wird man wohl schwer daran tun, in Augsburg ein belebteres Fleckchen als die Innenstadt zu finden. Deshalb auf zum Rathausplatz und Fußball geguckt.

So zumindest der Plan. Unsere Gruppe also inmitten der Massen, in schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung und voller Erwartung auf das große Spiel. Klein bin ich nun wirklich nicht, aber die gigantischen Kopfbedeckungen der Hardcore-Fans haben den unabstracted view auf die Leinwand doch erheblich erschwert. Alles was sich unterhalb der Leinwandmitte abgespielt hat, war ein Kapitel aus bangen, hoffen, warten. Irgendwann hat sich dann der weibliche Teil des Freundeskreises in die hinteren Ränge zurückgezogen um zumindest noch ein bisschen von dem Spiel mitzubekommen. Der Blick war in der Tat besser, allerdings war so auch die Aufmerksamkeit auf andere Dinge gelenkt. Wir Frauen haben ja immer mit dem Vorurteil zu kämpfen, wie wären nur Trittbrettfahrer, die sich nur dann voller Fußballbegeisterung zeigen, wenn es um große Events geht. Ich gebe zu, da ist was dran. 🙂 Allerdings mussten selbst wir den Kopf schütteln, als so manche Zeitgenössinnen den Rathausplatz mit einem Catwalk verwechselten. Vielleicht sind das noch die Nachwehen vom Germany’s Next Topmodel-Finale von letzter Woche – es war jedenfalls ein interessantes Schauspiel. Schlussendlich hat Deutschland ja verdient gewonnen und alles war gut. Mein Fazit des PV-Abends ist jedoch: Zuhause auf der Couch mit Freunden ist es irgendwie doch schöner.

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