Hab heut meinen philosophischen Tag…

„Aber finden Sie nicht, […] dass es besser ist, nur eine kurze Zeit sehr glücklich zu sein, auch wenn man dieses Glück verliert, als sein ganzes Leben nur einigermaßen über die Runden zu bringen?“

Diese Frage stammt aus dem Buch, das ich gerade lese („Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger). Irgendwie beschäftigt mich das. Wenn man tatsächlich die Wahl hätte zwischen absoluter Glückseligkeit, wenn auch nur für kurze Zeit oder suboptimalem Glücklichsein zeitlebens – was würde man nehmen? Moderne Frauenzeitschriften raten bei derartigen Dilemmata zu Pro- und Contra-Listen, deshalb:

Pro (kurzes aber heftiges Glück):

Gute Sachen bleiben dem Menschen stärker in Erinnerung. Ich weiß nicht, ob es dafür empirische Belege gibt, ich mutmaße hier mal aus meiner Erfahrung. Es fällt mir viel schwerer mich an schlechte Momente in meinem Leben zu erinnern als an Tage, an denen ich besonders glücklich war. Ergo würde man von kurzem aber intensivem Glück ein Leben lang profitieren können.

Pro (moderates Glück zeitlebens):

Eigentlich beißt sich hier die Katze schon in den Schwanz, denn schließlich gibt es Glück doch nur zu 100 Prozent, oder? Glück gibt es doch nicht, wie beim Metzger als Aufschnitt, wahlweise in 50 oder 200 Gramm. Glück gibt es nur am Stück, nach dem Motto, ganz oder gar nicht. Jeder andere Zustand ist dann zwar nicht per se „Pech“ oder schlecht, aber eben doch auch nicht Glück. Deshalb revidiere ich mein „Pro“ und gehe gleich weiter zum …

Contra (kurzes aber heftiges Glück):

Der Nachteil dieser (theoretischen) Wahlmöglichkeit liegt klar auf der Hand: Schaut man sich kurz um, ist das Glück auch schon wieder davongaloppiert. Aus und vorbei. Rien ne va plus. Und da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, fällt er erst einmal in ein riesiges Loch. Dumme Sache das.

Contra (moderates Glück zeitlebens):

Hm..ja…man kann sich natürlich auch mit weniger zufrieden geben. Das Einpendeln auf ein gewisses Level auf dem es sich gemütlich und relativ gut leben lässt hat schließlich auch war für sich. Oh Moment…das sollte ein Contra werden: Laaaaaangweilig! Wer will denn schon ständig vor sich hindümpeln! Leidenschaft, Engagement und Power heißt die Devise!

Deshalb meine persönliche Antwort auf die Eingangsfrage:

Geschickt ist der, der sich der herausragenden Eigenschaft des Glückes bewusst wird: Es kommt immer wieder – zwar in anderer Gestalt, aber es kommt. Deshalb sollte man das Glück packen, wenn es da ist. Alles mitnehmen, was geht, und es dann für den Moment ziehen lassen. Nach dem Bumerang-Prinzip schaut es nämlich sicherlich mal wieder vorbei. ;))

4 Kommentare zu “Hab heut meinen philosophischen Tag…

  1. Astrid sagt:

    Über diese Frage habe ich mir mehr oder weniger zwangsläufig (… *g*) in letzter Zeit auch schon Gedanken gemacht. Mein Fazit: Pro Kurzes, heftiges Glück. Denn: Nur wenn man alle Facetten des Lebens kennenlernt, kann man (meiner Ansicht nach) behaupten, wirklich zu „leben“. Sicher werden auf die Glücksmomente auch verdammt miese Tage folgen, doch kann es keine Lösung sein, sich in einem ewigen Vakuum vor dem echten Leben zu verstecken. Viele machen das, wie ich aus Erfahrung weiss. Meistens aus Angst vor Unvorhersehbarem. Aber zieht dann nicht ein Großteil dessen, weswegen man das Leben liebt, an einem vorbei? Es sind doch die ganzen unerwarteten, unplanbaren Dinge, die einem jeden Tag passieren können, die in Erinnerung bleiben und nicht das „Dahindümpeln“ in der „Selbstschutzblase“.
    In dem Sinne: Go and get it! 🙂

  2. Illena sagt:

    Ich hatte vor gut einem Viertel Jahr die Möglichkeit, etwas zutun, was ich mir seit 30 Jahren gewünscht hatte, das, seit ich 7 Jahre alt bin, zum Sinn meines Lebens gehörte, und das aber aus Gründen, die jetzt zu lang zum Erklären sind, nur noch eine begrenzte Zeit möglich ist. Da ich schwer krank bin, hätte ich es aber wahrscheinlich nicht überlebt.

    Ich habe mich dagegen entschieden. Und bereue es zutiefst!
    Sollte es nochmal „vorbeikommen“, würde ich keine Sekunde zögern…

  3. taragramm sagt:

    Ja, ich glaube, in der Situation war jeder schon mal, dass er eine Chance verpasst hat. In deinem Fall scheint es ja wirklich so zu sein – aber man weiß es nie! Ich glaube ernsthaft, dass es sich lohnt für sein Glück und all die Dinge, die einem im Leben wichtig sind zu kämpfen. Wenn du also die Möglichkeit dazu hast: Nur zu!

  4. […] Einmal von Tamara, einer Kollegin von der Professur für Medienpädagogik. Der Auftakt ist jedenfalls vielversprechend, die bisherigen Beiträge haben mir sehr gut gefallen und mich teilweise auch schon zum Nachdenken gebracht (z. B. dieser Beitrag) […]

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