Medienkritik: Der Tim aus Pinneberg

Mai 17, 2008 at 3:50 (Gedanken, Linktipps, Medien, Privat, Uni & Co, Werbung) (, , , , , )

Ich mach mir Sorgen. Ernsthafte Sorgen. Um Tim Mälzer. Der scheint gerade eine Krise durchzumachen. Seriously. Gut, ich weiß nicht, wie er vor seiner TV-Karriere charaktermäßig aufgestellt war, aber das Verhalten, dass er derzeit an den Tag legt, erinnert ein wenig an Totalausfälle à la Britney Spears. Ein Glück für uns, dass er nicht singt. Aber wer weiß, vielleicht kommt das ja noch. Nachdem der Junge aus Pinneberg erfolgreich und sympathisch mit seiner Kochshow auf Vox gestartet und in Nina (die mit dem Klemmbrett und den Pseudo-Fragen) die große Liebe gefunden hat, scheint ihm der Ruhm etwas zu Kopf gestiegen zu sein. Bereits vor ein paar Monaten, als er auf Einladung des ZWW im Audimax der Uni einen „Vortrag“ gehalten hat, habe ich mich geärgert, aber nachdem ich ihn gestern in der Kocharena erlebt hab, muss es raus: Lieber Tim Mälzer, was ist nur los mit dir??

Solidarität unter Kollegen? Kennt er nicht. Freundliches Verhalten gegenüber den Kandidaten? Fehlanzeige. Tim Mälzer weiß alles besser, muss zu allem was sagen und fragt sich wahrscheinlich im Grunde seines Herzens, wie er mit dieser Tour so viel Kohle scheffeln konnte. WAHNSINN. Vielleicht kommt das ja bei den Zuschauern an – ich finde es eher einen Grund zum Abschalten. Gut, man kann über den Sinn von Kochsendungen per se streiten, aber ganz ehrlich, so viel Auswahl hat der Mensch in der deutschen Fernsehlandschaft leider nicht.

Eigentlich fand ich ihn früher echt lustig und unterhaltsam – deshalb bin ich auch zu dem Vortrag gegangen, der an der Uni stattfand. Der Saal war übervoll und alle warteten gespannt auf den Redner, der dann auch unter großem Applaus in die Arena (diesmal nicht die „Kocharena“) einmarschierte. Die ausgelegten Werbepröbchen, die dem ZWW ermöglicht hatten, den Herrn Mälzer einzuladen, hat er erstmal mit „genmanipulierter Sch…“ tituliert. Suuuuper…da freut sich die Marketingabteilung sicher. Jedenfalls hat er das Publikum bloßgestellt und jeden vorgeführt, dessen Meinung nicht mit seiner konform ging. Ich glaube er sollte/wollte über gesundes Essen dozieren, aber irgendwie ist ihm das nicht so ganz gelungen. Er hat dann immer wieder Einspieler der Dokumentation „We feed the world“, die ich bereits kannte, gezeigt. Das Publikum schrie „ah“ und „oh“ und war nun vollends von Mälzers Allwissenheit überzeugt. So einige seiner Aussagen waren mehr als streitbar, aber ehrlich, man legt sich nicht mit Tim Mälzer an. Sonst geht es einem vielleicht wie Sarah Wiener, die er (übrigens auch gestern) als absolute Dilettantin auf ihrem Gebiet hingestellt hat. „Die Wiener? Die kann doch nicht kochen.“ Na ja, so wie der Tim gestern die Salsiccia(eine sizilianische Wurst; mein Opa dreht sich wahrscheinlich im Grab um) gequält hat, wäre ich etwas vorsichtig mit solchen Aussagen.

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Zwischenfazit & Allerlei

Mai 11, 2008 at 7:04 (Gedanken, Masterarbeit, Uni & Co) (, , , )

Die Umfrage zu meiner Masterarbeit läuft jetzt seit 1 1/2 Wochen und ich bin mit dem Rücklauf recht zufrieden. Bedenkt man, dass ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln nie Massen von Leuten im drei- oder gar vierstelligen Bereich erreichen kann, kann ich mit den rund 80 Teilnehmern sehr zufrieden sein. An dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön an alle, die auf meine Umfrage hingewiesen und/oder teilgenommen haben oder meine Emails registriert und befolgt haben. ;-) Noch ist der Link aktiv, wer also noch teilnehmen möchte, hat jetzt noch die Gelegenheit dazu.

Am Freitag hatten wir nach einer Mitarbeitersitzung an der Uni die Gelegenheit im Doktorandenkolloquium (auch studentische Mitarbeiter waren bei dieser Sitzung willkommen) über den Umgang mit empirischen Daten zu diskutieren. Ganz zentral war dabei die Frage, was überhaupt unter einer “Studie” zu verstehen ist und welche Qualitätskriterien wir für eine empirische Arbeit zu Grunde legen. Ganz einig waren wir uns nicht - was bei den unterschiedlichen Teilnehmern, die unterschiedliche fachliche Hintergründe haben, nicht verwundert. Die Psychologen haben da doch unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema als beispielsweise die Naturwissenschaftler…

Gerade für mich interessant war die Frage nach der “Zahl”. Die Zahl, zu der man z.B. Studierenden, die sich wie ich, gerade am Schreiben einer Arbeit befinden, raten soll: Wie viele Teilnehmer brauche ich für meinen empirischen Teil, damit mit den Daten was anzufangen ist? Keiner wollte sich zu einer konkreten Aussage hinreißen lassen. Ich persönlich denke, dass es letztendlich immer auf den Kontext der Arbeit und den prinzipiellen Zugang zur Zielgruppe ankommt. Für meine Bachelorarbeit musste ich mich auf eine sehr kleine Anzahl von Probanden stützen: Allerdings habe ich versucht, dass in der Arbeit auch immer wieder selbstkritisch einfließen zu lassen und habe auch nie von einer Übertragbarkeit auf alle gesprochen.

Es war jedenfalls eine rege Diskussion, die uns allen noch zusätzlich durch ein tolles Buffet versüßt wurde: Alex hatte am Morgen seine Disputation zur Dissertation erfolgreich bestanden und Sandra hatte als Geburtstagskind auch allen Grund zum Feiern.

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Zwischenruf: Heute schon rosa geschmeckt?

April 25, 2008 at 12:33 (Gedanken, Linktipps, Privat) (, , )

„Diese Tasse ist blau und schmeckt nach Salz und Fisch.“ So oder so ähnlich stelle ich mir die Empfindungen eines „Synästhetikers“ vor. Personen, die Farben nicht nur sehen, sondern auch hören und/oder schmecken können, werden so genannt. Gerade habe ich den Roman von Martin Suter „Der Teufel von Mailand“ fertig gelesen. Die Protagonistin gehört auch zu den Menschen, die diese außergewöhnlichen Sinneseindrücke haben. Zwei oder mehr Sinne vermischen sich bei diesen Personen und können nicht mehr voneinander getrennt werden. Da bin ich gleich mal auf die Suche nach Informationen gegangen, denn davor hatte ich noch nie gehört. Angeblich gibt es ziemlich viele Menschen, die diese „Gabe“ haben, sie nehmen sie allerdings nur unterbewusst wahr. Hier gibt es einen Test, der zeigen soll, ob man Synästhetiker ist oder nicht. Ich habe natürlich auch teilgenommen und nach vier Fragen aufgegeben. Ich bin in dieser Hinsicht wohl ziemlich normal. Die Buchstaben, die zur Beurteilung standen waren einfach alle weiß für mich. Nun gut, damit kann ich leben. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass einer der Leser hier ein Synästhetiker ist? Bei wem also regelmäßig die Glocken klingeln, wenn er die Farbe rot oder grün sieht – für den würde sich der Test vielleicht mal lohnen. Wer sich auch so näher dafür interessiert, kann auch mal hier oder hier gucken. Oder sich das Buch von mir leihen – definitiv nicht das Beste von Martin Suter, aber durchaus lesenswert.

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Feed the world

April 14, 2008 at 3:10 (Gedanken, Linktipps) (, , , , )

Wer mich näher kennt, der weiß, dass ich ein wandelndes Kochbuch bin. Wirft man mir einen (metaphorischen) Bissen hin, dann kann ich stundenlang über dieses oder jenes Lebensmittel dozieren. Ich versuch mich zurück zuhalten - ich will ja niemanden langweilen. Aber kombiniert man diese Vorliebe von mir mit kultureller Diversität (noch so eine Herzblutangelegenheit von mir), dann kann man vielleicht verstehen, warum ich euch diese Artikel zeigen muss:

Hier wurden die Einkäufe verschiedener Familien rund um den Globus fotografisch festgehalten. Teil 2 gibt es dann ebenfalls zu bewundern.

Bei manchen Bildern hab ich spontan das Bedürfnis “Genau so ist es!” zu rufen - (bspw. Italien, Deutschland, USA). Unglaublich finde ich auch Australien (zweiter Link) und Grönland (täusch ich mich, oder sind das Pinguine auf dem Tisch?).

Reinschauen lohnt sich!

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Heartattack

April 13, 2008 at 2:58 (Gedanken, Medien, Musik, Privat, Web 2.0, Werbung) (, , , , , )

Anscheinend ist es jetzt die neueste Mode von sozialen Netzwerken ihre Mitglieder durch schrillend laute Musikeinspielungen oder Gastkommentatoren aufzuwecken. Das StudiVZ demonstriert das seit einigen Wochen anschaulich: Nach dem Ausloggen einen falschen Zucker Zuckung (sorry, das Augsburgerisch ist mit mir durchgegangen ;-) ) mit der Maus gemacht und schon fängt es aus den Boxen zu plärren an. Ich denke da wirklich nicht dran und bekomme demnächst tatsächlich einen Herzinfarkt, wenn mich eine verzweifelte Duffy noch einmal um “Mercy” anbettelt. Himmel!

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re:publica 08 - kleine Sammlung

April 3, 2008 at 4:15 (Gedanken, Linktipps, Masterarbeit, Medien, Web 2.0) (, , , , )

In Berlin findet derzeit die re:publica, eine Konferenz rund um das Thema Web 2.0, Blogging und Soziale Netzwerke statt. Die Crème de la Crème der Blogosphäre scheint versammelt (was man an den neuen Beiträgen in meinem RSS-Feed ablesen kann) und noch scheint sich kein endgültiges Urteil über Qualität und Sinn der Vorträge und Workshops abzuzeichnen. Einen ausführlichen Bericht über die Keynote von Viktor Mayer-Schönberger hat Marc Scheloske in seinem Blog verfasst. Er stellt dabei anschaulich dar, wie die sozialisierte Form des Vergessens durch das Internet und dessen massenhafte Datenspeicherung torpediert wird. Ich denke, der Ottonormal-User hat keine konkreten Vorstellungen davon, WAS mit seinen Daten geschieht und WIE LANGE sie tatsächlich gespeichert werden. Insofern ist der Beitrag ein guter Denkanstoß.

Ganz nett gemacht ist ein Wiki über die re:publica 08. Auch elementare Dinge, wie die Verpflegung werden da hinreichend erklärt. ;-)

Dass der Hype ums Web 2.0 mittlerweile auch bei „seriösen“ Medien angekommen ist, beweist dieses Chatprotokoll von tagesschau.de. Robert Basic von www.basicthinking.de/blog hat sich im Rahmen der Konferenz für ein Interview durch User zur Verfügung gestellt. Lesenswert und ausführlich. Die aufgeworfene Frage eines Chatters, ob denn der Bildblog überhaupt ein Blog sei, da die Kommentar-Funktion fehle, finde ich interessant. Denn eigentlich sehe ich die Möglichkeit zum Austausch über Trackback, Kommentare etc. schon auch als entscheidendes Merkmal eines Blogs an. Natürlich kann man seinen Blog „lediglich“ als persönliches Tagebuch nutzen, aber warum schreibt man es dann nicht klassisch in ein bunt bedrucktes Heftchen? Klar, weil man sich über eine gewisse Form von Feedback freut. Vielleicht ist das bei dem Bildblog nicht so? Man weiß es nicht…

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Gedanken zum Dienstag

März 25, 2008 at 4:11 (Gedanken, Linktipps, Privat) (, , , )

In WordPress gibt es ja die Möglichkeit zu sehen, wie die Leute auf meinen Weblog gestoßen sind. Es ist ehrlich spannend zu lesen, nach was alles gesucht wird! So frage ich mich gerade, ob ich mir ernsthaft Gedanken machen muss, wenn Leute nach “Selbstmord CO2 Garage” suchen und mein Blog finden. Hm… Einmal mehr gilt: Erst denken, dann schreiben.

Außerdem bin ich ziemlich frustriert über das Wetter. In froher Erwartung auf den Frühling hab ich mein Fensterbrett gleich mal mit einer Narzisse ausgestattet. Die gedeiht - der Heizung sei Dank - hervorragend. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass auch die übrigen Blümchen bald im Sonnenlicht strahlen können.

narzisse.jpg

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Lust aufs Bloggen?

März 13, 2008 at 5:28 (Gedanken, Masterarbeit, Medien, Uni & Co, Web 2.0) (, , )

So langsam aber sicher bekomme ich eine Art Routine in mein “Projekt Masterarbeit”. Eigentlich bin ich ein guter Selbstmotivator, aber gerade in der Anfangsphase finde ich es schwierig am Ende des Tages zu sagen: Heut war ich aber produktiv. Meine Tätigkeit besteht derzeit aus ganz viel lesen und exzerpieren. Ist total wichtig, ich weiß, aber wenn man eben immer noch vor dem leeren Blatt Papier sitzt, kann man schon manchmal den Eindruck bekommen, man hätte zu wenig gemacht. Die Recherche und das Lesen sind grundlegend, denn in meinem Kopf muss sich erst ein klares Konzept bilden – vorher kann ich nicht richtig schreiben. Jeder hat da ja so seine eigene Technik: Einige reihen erst einmal Zitate aneinander und bauen ihren Text dann darum. Ich lese erst die Literatur, die ich als grundlegend erachte und markiere interessante oder wichtige Stellen. Nachdem ich meine eigenen Worte zu Papier gebracht habe, versuche ich meine Aussagen durch die Literatur zu belegen. Letztendlich ist es wohl egal, wie man es macht, die Hauptsache ist, das System funktioniert.

Das Problem mit dem Schreiben hängt derzeit auch mit dem empirischen Teil zusammen: Da ich immer noch auf er Suche nach einem geeigneten Unternehmen bin, will ich nicht so recht starten. Der geplante Versuchsaufbau ist total spannend und ich bin überzeugt davon, dass jedes Unternehmen einen Nutzen davon hätte: Die Schwierigkeit ist, als Externe an Unternehmen heranzutreten und ihnen mein Vorhaben schmackhaft zu machen. Ich will herausfinden, ob sich das Führen eines Knowledge Blogs als Werkzeug für das persönliche Wissensmanagement eignet. Das Ganze soll außerdem unter einer psychologischen Perspektive angepackt werden: Befriedigen Weblogs die menschlichen Grundbedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit?

Hier das “Anforderungsprofil” an das Unternehmen:

-          Internetaffinität von Vorteil

-          Erfahrungen mit Bloggen erwünscht, aber nicht unbedingt notwendig

-          Mitarbeiter, die wissensintensive Tätigkeiten ausführen

-          Leute, die Lust aufs Bloggen haben

-          Branche: eigentlich egal, toll wäre ein gewisser Medienbezug

-     Es müssen nicht 500 Mitarbeiter sein, 10 wären auch schon wunderbar 

 

Falls jetzt jemand spontan denkt, dass er in genau so einer Firma arbeitet oder genau so eine Firma kennt: BITTE MELDE DICH! ;-)

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Du kommst mir gerade recht!

März 6, 2008 at 5:21 (Gedanken, Privat) (, , )

Jeder Mensch, der einem begegnet, hilft einem auf die eine oder andere Weise weiter. Ganz ehrlich, davon bin ich total überzeugt! Diesmal meine ich das ganz im übertragenen Sinne. Die Begegnungen mit den verschiedensten Leuten hat immer einen Einfluss auf das persönliche Weiterkommen oder die Art, wie man über gewisse Sachen denkt oder spricht. Manche sagen dazu „Sozialisation“, aber ich glaube, dass das noch etwas grundlegender ist. Eltern, Geschwister, Freunde – klar, mit diesen Personen verbringen wir von Geburt an viel Zeit – die müssen ja irgendwie auf uns „abfärben“ (und wir auf sie). Auch zufällige Begegnungen und Menschen, die man nicht intensiv kennen lernen kann, beeinflussen die eigene Sicht der Dinge. Derzeit bemühe ich mich, meine Umwelt etwas bewusster wahrzunehmen und noch mehr auf das Tun der Anderen und meine Reaktion auf das Verhalten zu achten. Ein banales Beispiel: Warum führe ich diesen Blog? Weil ich es von meinen Kollegen gesehen habe. Fand ich interessant, wollte ich auch ausprobieren. Ich weiß, dass es anderen genauso ging: Durch meinen (und natürlich auch andere) Blog(s) wurden sie quasi zum eigenen Online-Journal inspiriert. Es gibt eine Freundin, die hat neulich zu mir gesagt: „Wenn ich weiß, dass du in meine Wohnung kommst, dann scan ich innerlich immer meine Räume ab, um zu sehen, ob ich auch ordentlich aufgeräumt hab.“ Total seltsam aus meiner Sicht – aber anscheinend hat sie den Eindruck, bei mir wäre es immer aufgeräumt und deshalb würde ich das von ihr auch erwarten. (Ganz ehrlich: Ist mir total egal, wie es bei anderen aussieht.) Aber mir geht es in anderen Situationen auch so. Durch Verhalten anderer wird meine Neugierde geweckt und ich beschäftige mich mit Themen, die mich von alleine wahrscheinlich eher nicht interessiert hätten. Das empfinde ich nicht als „Nachahmung“, sondern für mich ist das praktische Lebenshilfe: Wir alle spornen uns durch unser Verhalten gegenseitig an – natürlich nur, wenn man in der Lage ist, die Eindrücke des Tages in positive Bahnen zu lenken. Um dem Ganzen eine nachvollziehbare Aussage zu geben: Wenn ich im Leben weiterkommen will, dann hab ich nur eine Möglichkeit: Nicht neidisch oder mit Argwohn auf andere Menschen blicken, sondern die positiven (und auch negativen) Aspekte des Gesehenen reflektieren und auf passende Weise in das eigene Leben integrieren.

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Mut zur Stille

Februar 29, 2008 at 12:31 (Gedanken, Medien, Privat) (, , )

Aus aktuellem Anlass muss ich mal eben den Moralapostel raushängen lassen: Gestern hat sich in Augsburg ein Mensch das Leben genommen. An sich tragisch genug, dazu kommt allerdings, dass ich die Berichterstattung der lokalen Presse nicht sehr vorbildlich finde. Ich verzichte in diesem Fall bewusst auf die Verlinkung zu besagtem Artikel, aber ich sag mal so: Der Fantasie bleibt kaum etwas überlassen. Da fiel mir wieder mein VHB-Kurs ein und die Lektion über den „Werther-Effekt“ bzw. der Darstellung von Suiziden in den Medien. Im Rahmen dieser Lektion wurden die Richtlinien von Phillips und Lesyna (1995) vorgestellt, die den Umgang mit Selbsttötungen in der Berichterstattung thematisieren. Darin heißt es beispielsweise, dass in den Medienberichten

- alternative Lösungsstrategien zum Selbstmord aufgezeigt werden sollen

- die Überschrift nicht direkt auf die Tat hinweisen sollte

- es zu keiner idealisierte Darstellung des Suizids kommen darf

- keine Details der Tat beschrieben werden sollten

- der Bericht nicht auf Seite 1 stehen sollte etc. pp.

Ich frag mich hier wirklich, ob es dem Leser dienen kann genaue Details zur Tat zu erfahren, bzw. die Berichterstattung tatsächlich bebildert und mit großer Überschrift publiziert werden sollte. Natürlich wird jetzt nicht jeder sich ein Beispiel nehmen und Selbstmord begehen, aber was ist, wenn man einen Labilen trifft, der es eben doch tut?

Eigentlich ist dieser Fall wieder nur ein geniales Beispiel für die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Praxis. Nicht, dass sich diese zwei per se ausschließen, aber oft hat man das Gefühl, es wird viel geforscht, richtiges und wichtiges gesagt, aber am Ende kümmert es doch keinen. So bleiben Richtlinien oder Ideen, wie die oben beschriebenen in der Schublade und werden allenfalls von Studenten der Medienwissenschaften wahrgenommen. (Aber ich bemühe mich im Kleinen diesen Zustand zu ändern ;-) )

Und: Natürlich ist die Pressefreiheit ein hehres Gut, dass es zu verteidigen gilt, aber manchmal sollte man sich die Freiheit nehmen, über manche Sachen etwas weniger ausführlich zu berichten.

 

Literatur:

Phillips, D. P. & Lesyna, K. (1995). Suicide and the media. Research and policy implications. In R. F. W. Diekstra, W. Gulbinat, I. Kienhorst & D. De Leo (Hrsg.), Advances in Suicidology Volume II: Preventive strategies on suicide (S. 231–261). Leiden: Brill.

 

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